Über eine fehlende Debatte
4. November 2010Bis heute sind Abtreibungen in Deutschland illegal. In der EU ist das sonst nur noch in Malta, Irland und Polen der Fall. Mit den internationalen Gesetzen zu Schwangerschaftsabbrüchen beschäftigt sich Sarah Diehl. In ihrem Film „Abortion Democracy“ vergleicht sie die Situation in Südafrika und Polen. Der Film wurde am Dienstag in der Uni Osnabrück gezeigt, Helga Hansen war dabei.
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Sarah Diehl bloggt außerdem bei dem European Choice Network.
Die Erstaufführung war 2008 im Deutschen Bundestag – eine seltene Ehre für Sarah Diehl. Seit der prominenten Premiere sind die Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen aber noch verschärft worden. Dabei wurde besonders der Druck auf die Ärzte verschärft. Ein Grund für das Referat für Internationales und das Autonome Referat für Lesben und andere Frauen den Film wieder in Osnabrück zu zeigen. Für den neuen Referenten Benedikt Panknin ist es die erste Veranstaltung. Das Thema Abtreibung ist derzeit zu selten in der öffentlichen Debatte, so Paknin:
O-Ton Benedikt (21 s): Also ich finde, das Thema ist immer aktuell. Gerade so was wir davon heute mitbekommen haben, ist das einfach ein Thema, was zum einen einfach viel zu wenig Beachtung findet und dafür einfach, ja zu viele Menschen eigentlich betrifft, als dass man das einfach so scheinheilig behandeln könnte, wie es momentan auch in Deutschland behandelt wird.
Nach den Filmvorführungen steht Sarah Diehl stets für Diskussionen zur Verfügung. Dort hat sie festgestellt.
O-Ton Sarah (29 Sek) dass es für Leute halt schon noch mal soso ein Augenöffner einfach ist, wie schwer dieses Thema einfach umkämpft ist auch schon. Also auch schon in Deutschland. Und dass einfach vielen Leuten überhaupt nicht klar ist, wieviele Probleme Ärzte mit dem Thema haben. Also dass eben sich viele Ärzte auch nicht mehr damit beschäftigen wollen und anbieten wollen. Weil sie eben Angst vor Rufschädigung haben oder vor anderen Repressalien. Dass eben viele Frauen ja schon noch ne Menge Probleme gerade in der Informationsbeschaffung haben, lange brauchen um auch Ärzte zu finden mit denen sie dann auch darüber reden können und auch durchführen können.
Der Film Abortion Democracy war Diehls Magisterarbeit in den Fächern Afrikawissenschaften und Gender Studies. Inzwischen arbeitet sie an einem neuen Dokumentarfilm. Auch in Pregnant Journeys wird es um Abtreibung gehen. Dabei untersucht Diehl die Situation von Frauen in Tansania, Mexiko und Deutschland. Auch die Folgen von Kriminalisierung sollen in den Mittelpunkt gerückt werden. So sitzen in Mexiko bereits Frauen im Gefängnis, weil sie eine Schwangerschaft beendet haben.
O-Ton Sarah (7 Sek) Das geht sogar schon so weit, dass Frauen sich nicht mehr trauen mit Fehlgeburten in Klinken zu gehen, weil sie Angst davor haben, wegen Abtreibung angeklagt zu werden. Also, na solche Sachen passieren da schon.
Frühestens in einem Jahr wird der neue Film Pregnant Journeys fertig sein. Wie es mit der rechtlichen Entwicklung und der praktischen Situation weitergeht, dokumentiert Diehl außerdem auf dem Blog European Choice Network. Zusammen mit weiteren Aktivisten will sie so auch Forschung und Vernetzung ermöglichen.



